Übersetzung: Kim Nam Hui
Übersetzung: Torsten Israel

Schwarzes Blatt im Mund

Gedichte

96 Seiten,
Erscheinungsjahr: 2018 | ISBN: 978-3-88423-597-3

19,80 EUR inkl. 7% gesetzl. MWSt

erscheint: März 2019

Über dieses Buch

In der Dichtung Ki Hyŏng-dos manifestiert sich, oft mit abgrundtiefer Melancholie, aber auch in grotesk übersteigerten Bildern, ein lyrisches Ich, das sich als Outcast wahrnimmt, und dessen Blick vor allem auf die Nachtseiten und die Verlierer des koreanischen Modernisierungsprozesses fällt.

Viele Gedichte sind autobiographisch grundiert, darunter solche, die das Schicksal der Familie des Dichters aufgreifen, das von der Krankheit seines Vaters und den sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie dem gewaltsamen Tod einer seiner Schwestern geprägt war. Andere beziehen sich, wenngleich oft in zeichenhaft verdichteter, gebrochener Form, auf die rigorose Unterdrückung der demokratischen Opposition und die von willkürlichen Inhaftierungen, Zensurmaßnahmen und gegenseitigem Misstrauen geprägte Atmosphäre während der Militärherrschaft von Park Chung Hee (1917-1979) und Chun Doo Hwan (geb.1931), die bis Ende der 1980er Jahre andauerte. Eine dritte Gruppe von Texten geht auf den systematischen Verschleiß von Menschen und Material im Zuge der radikalen Veränderung der Arbeitswelt und auf die ökologischen Verwerfungen ein, die die koreanische Entwicklungsdiktatur nach sich zog. Auf gleichsam mythisch überhöhter, surrealer Ebene werden Grundprobleme der conditio humana thematisiert bzw. Zweifel an der verlässlichen Wahrnehmbarkeit von Wirklichkeit angemeldet. Schließlich scheint Kis Lyrik zumindest andeutungsweise die inneren wie äußeren Konflikte anzusprechen, die sich in einem von rigiden Moralvorstellungen geprägten öffentlichen Diskurs aus seiner mutmaßlichen Homosexualität ergeben mussten.

Autor

Ki Hyŏng-do (1960-1989) studierte von 1979 bis 1985 Internationale Beziehungen an der Seouler Eliteuniversität Yonsei und arbeitete dann für eine der führenden koreanischen Tageszeitungen, in deren Auftrag er viele Länder bereiste. 1985 erhielt er für seine erste literarische Publikation, das Gedicht Nebel, den renommierten Dong-A-Preis für junge Autoren. Als er in der Nacht des 7. März 1989 völlig überraschend in einem Seouler Kino an einem Schlaganfall starb, wurde gerade die Drucklegung seines ersten Lyrikbandes vorbereitet, der unter dem Titel Schwarzes Blatt im Mund erscheinen sollte. Dieser Band – der hier vollständig in deutscher Übersetzung vorgestellt wird – erwies sich als Best- wie Longseller und erreichte für Lyrik astronomische Auflagenhöhen.

Übersetzung

Kim Nam Hui, geboren 1974 in Youngkwang, studierte Germanistik und Translationswissenschaft. Seit 2015 Professorin für Germanistik an der Kyungpook Nationaluniversität Daegu/Südkorea.

Übersetzung

Torsten Israel, geboren 1967 in Leipzig, studierte Griechische Philologie, Geschichte und Theaterwissenschaften in Berlin und Athen. Literarische Übersetzungen, Literaturkritik und Essayistik auf Griechisch und Deutsch. Zuletzt grieschiche Übersetzung und Bühnenbearbeitung von Erich Arendts "Der Tänzer" (UA: 2009, Attis-Theater, Athen, Regie: Theodoros Terzopoulos) und Herausgeberschaft von Helene Varopoulou, "Passagen. Reflexionen zum zeitgenössischen Theater", Berlin: Theater der Zeit, 2009. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Interkulturelle Germanistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz/Germersheim. Lebt in Mannheim und Athen.