Über dieses Buch

»Mein Wappen ist nicht adelig/ Mein Leben nicht untadelig – / Und was da wert sei mein Gedicht, / Fürwahr, das weiß ich selber nicht.«

Mit seinem Vierzeiler von 1871 hat der melancholische Dichterpfarrer Eduard Mörike die Produktivkraft der Poesie beschrieben. Es ist ein doppelter Zweifel: der Zweifel an der Verlässlichkeit der Wörter wie auch der Zweifel an sich selbst. Die skeptische Erkundung der Sprache und die alltägliche Notwendigkeit, Gerichtstag zu halten über sich selbst, gehören zu den elementaren Voraussetzungen des Gedichteschreibens. Der Lyrik-Taschenkalender 2016 setzt wie seine kalendarischen Vorgänger das Gespräch über zeitgenössische Dichtung und ihre Möglichkeiten und Grenzen fort. 17 Dichterinnen und Dichter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben jeweils zwei Lieblingsgedichte deutscher Sprache ausgewählt und kompakt kommentiert. Der Herausgeber stellt seinerseits gemeinsam mit dem Lyriker und Essayisten Henning Ziebritzki alle am Taschenkalender beteiligten Autoren und Kommentatoren mit je einem exemplarischen Gedicht vor.

Marcel Beyer, geboren 1965, lebte lange im Rheinland, seit 1996 in Dresden. Romane, Essays, Libretti, Gedichte: Falsches Futter (1997), Erdkunde (2002), Graphit (2014). 2016 Auszeichnung mit dem Georg-Büchner-Preis.

wurde 1965 in Tegernsee geboren und lebt seit vier Jahrzehnten in Hamburg, heute als Lyriker, Romancier und Übersetzer. Zuletzt erschienen sein Roman Nie mehr Nacht (2013), der Erzählband Feuerland (2015) sowie in Neuübersetzung Robert Louis Stevensons Der merkwürdige Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde (2015).

Paul-Henri Campbell wurde 1982 in Boston (USA) geboren und schreibt Lyrik sowie Prosa in englischer und deutscher Sprache. Studium der katholischen Theologie und der klassischen Philologie in Frankfurt am Main sowie an der National University of Ireland, Maynooth, derzeit Promotion. Campbell ist Übersetzer und Managing Editor der internationalen Ausgabe der Lyrikzeitschrift »DAS GEDICHT: DAS GEDICHT chapbook. German Poetry Now«. Er rezensiert regelmäßig für dasgedichtblog.de. Zuletzt von ihm erschienen: »Space Race« (lyrikedition München 2015) sowie »Am Ende der Zeilen. | At the End of Days. Gedichte:Poetry« (fhl Verlag Leipzig 2013).

wurde 1980 geboren und arbeitet seit 2006 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben zahlreichen Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien erschienen von ihr die Gedichtbände Aufbrüche, 2004, gierstabil, 2011 und gorgos portfolio, 2014.

Jürgen Theobaldy, 1944 in Straßburg geboren, aufgewachsen in Mannheim, lebt heute in Bern. Studium der Literaturwissenschaft an den Universitäten in Heidelberg und Köln, sowie Berlin. Im Wunderhorn Verlag veröffentlichte er 1984 »Midlands/Drinks. Gedichte aus Rom« mit neun Zeichnungen von Joachim Palm, 2000 den Prosaband »In der Ferne zitternde Häuser« in der Reihe ›Edition Künstlerhaus‹, 2013 den Roman »Aus nächster Nähe« und zuletzt den Roman »Rückvergütung«.

Henning Ziebritziki, geboren 1961, studierte protestantische Theologie, promovierte 1992 in diesem Fach an der Universität Mainz und arbeitete zunächst als Pfarrer. 2001 wechselte er in die Verlagsbranche. Ziebritzki ist heute als Geschäftsführer und Lektor des Tübinger Verlags Mohr Siebeck tätig. Daneben schreibt er Gedichte und Essays.

Herausgeber

Michael Braun, geboren 1958 in Hauenstein/Pfalz, Studium der Germanistik und Politischen Wissenschaft, lebt als Literaturkritiker in Heidelberg. Er veröffentlicht Essays zu Fragen einer zeitgenössischen Poetik. 2007 bis 2011 gibt er den Deutschlandfunk-Lyrikkalender heraus (Wunderhorn), seit 2012 den Lyrik-Taschenkalender.